medius Klinik Ruit

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Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG-Spalten) gehören mit einer Häufigkeit von ca. 1:500 Geburten zu den häufigsten Fehlbildungen im Gesichtsbereich. Für den Behandlungserfolg ist die interdisziplinäre Behandlung entscheidend. Bei Spaltformen, die auch den harten Gaumen betreffen, wird von unserem Team schon in den ersten Lebenswochen eine Trinkplatte eingesetzt. Diese erleichtert nicht nur das Trinken, sondern ermöglicht auch eine Steuerung des Kieferwachstums im Spaltbereich und eine Normalisierung der Zungenlage.
Erfahrene Fachärzte und Fachzahnärzte (z.B. HNO, Phoniatrie, Pädiatrie, Kieferorthopädie) werden regelmäßig mit in die Behandlung eingebunden. In vielen Fällen ist auch eine logopädische Behandlung erforderlich.
Die Operationen in den ersten Lebensjahren (Lippenspaltverschluss, Gaumenspaltverschluss) werden von Dr. mult. Kretschmer und seinem Team in den Kinderkliniken Esslingen und Helios-Klinik Pforzheim durchgeführt, die beide eine kinderchirurgische Abteilung und somit ein in Kindernarkosen erfahrenes Anästhesieteam haben Die weitere Behandlung erfolgt in der Regel in der medius KLINIK OSTFILDERN-RUIT.

Gaumenspaltverschluss

Die Rekonstruktion der Muskulatur des weichen Gaumens ist entscheidend für die Sprachbildung. Der operative Verschluss des Gaumens wird vom Ruiter Team daher in der Regel im Alter von 9 Monaten durchgeführt. Harter und weicher Gaumen werden in einer Sitzung verschlossen. Gegebenenfalls erfolgt die Einlage von Paukenröhrchen durch die Kollegen der HNO im gleichen Eingriff. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel 3 – 4 Tage. Da das Nahtmaterial selbstauflösend ist, muss keine weitere Narkose durchgeführt werden. Eine Trinkplatte ist nach Verschluss des Gaumens nicht mehr nötig.

Kieferspaltosteoplastik

Um Wachstumsstörungen des Oberkiefers zu vermeiden bzw. zu reduzieren, wird die knöcherne Rekonstruktion der Kieferspalte erst im Alter von ca. 9 – 10 Jahren durchgeführt. Entscheidend für den Operationstermin ist der bevorstehende Durchbruch des bleibenden Eckzahnes in der Spalte. Zur Bestimmung des idealen Zeitpunktes muss ein Röntgenbild der Kiefer angefertigt werden. Anhand der Länge der Eckzahnwurzel wird der bestmögliche Zeitraum für die Operation festgelegt. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose im Rahmen eines stationären Aufenthaltes von 4 – 5 Tagen.
Das erforderliche Knochentransplantat wird über einen kleinen Schnitt aus dem Beckenkamm entnommen. Ca. 3 Monate nach dem Eingriff können die Zähne im Spaltbereich kieferorthopädisch bewegt werden. Bei großen Spalten muss das Knochentransplantat gelegentlich mit kleinen Platten und Schrauben aus Titan fixiert werden, damit es fest einwachsen kann. Diese werden nach 6 – 12 Monaten ambulant entfernt.

Lippenspaltverschluss

Der operative Verschluss der Lippenspalte erfolgt in der Regel im Alter von 3 – 4 Monaten. Je nach Ausprägung der Spalte werden vom Ruiter LKG-Team die OP-Techniken nach Pfeifer (Wellenschnitt) oder Millard (Bogenschnitt) angewandt. Entscheidend ist bei beiden Verfahren die Rekonstruktion der Lippenmuskulatur (M. orbicularis oris). Bei ausgeprägten Deformitäten der Nase erfolgt gleichzeitig eine primäre Rhinoplastik. In Abhängigkeit von der pädaudiologischen Untersuchung werden in derselben Operation häufig Paukendrainagen durch die Kollegen der HNO gelegt.
Diese dienen dazu, einen Mittelohrerguss, der bei Kindern mit Gaumenspalten oft vorliegt, und somit chronische Mittelohrentzündungen zu verhindern. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel 3 – 4 Tage. Die Fäden werden nach einer Woche ambulant in Maskennarkose entfernt.
Nach dem Lippenspaltverschluss wird eine neue Trinkplatte angefertigt.

Nasenstegverlängerung

Bei doppelseitigen LKG-Spalten ist der Nasensteg in manchen Fällen nur sehr kurz ausgebildet. Eine operative Verlängerung sollte frühestens kurz vor der Einschulung durchgeführt werden. Je nach anatomischer Situation von Naseneingang und Oberlippe kann der Nasensteg durch Rotation der Naseneingänge (Technik nach Cronin) oder durch zwei Hautlappen aus den Narbenbereichen der Oberlippe (Gabellappen) verlängert werden.  Eine weitere Möglichkeit ist ein Hauttransplantat.
Die Oberlippe kann simultan korrigiert werden.
Der Eingriff erfolgt im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes in Vollnarkose

Sprachverbessernde Operationen

Trotz der Fortschritte bei den Operationstechniken und frühzetiger logopädischer Behandlung ist bei manchen Patienten eine sprachverbessernde Operation zur Korrektur des offenen Näselns (Rhinophonia aperta) notwendig. Die Indikation für diesen Eingriff wird in der Regel vom behandelnden Phoniater und Pädaudiologen gestellt. Die hierfür erforderliche endoskopische Untersuchung erfordert eine Mitarbeit des Kindes und kann meistens erst mit ca. vier Jahren durchgeführt werden. Bei der Operation wird ein Schleimhaut-Muskellappen von der Hinterwand des Rachens in den weichen Gaumen eingeschlagen, so dass ein vollständiger Abschluss des Nasenrachenraumes beim Sprechen möglich wird. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes.

Lippenkorrektur

Gewebsdefekte und/oder ungünstige Narbenbildungen ermöglichen nicht immer ein optimales Ergebnis nach dem primären Lippenspaltverschluss. Wenn möglich, sollte eine endgültige Korrektur der Lippe erst nach Abschluss des Wachstums durchgeführt werden. In Einzelfällen kann der Eingriff aus psychosozialen Gründen schon im Vorschulalter angeraten sein. Die operativen Möglichkeiten sind vielfältig. Kleinere Eingriffe können ggf. ambulant erfolgen. In den meisten Fällen ist jedoch ein kurzer stationärer Aufenthalt notwendig. Neben Korrekturen der Narben und der Lippenrot/weiß- Grenze ist oft eine Augmentation des Volumens der Oberlippe sinnvoll. Diese kann z.B. mit Eigenfett erfolgen. Um ein optimales Ergebnis zu erzielen,  sollte die Korrektur von Zahnfehlstellungen abgeschlossen sein

Nasenkorrektur

Die Korrektur der spaltbedingten Nasendeformität gehört zu den anspruchsvollsten Eingriffen der Nasenchirurgie. Der Eingriff sollte erst nach Abschluss des Wachstums durchgeführt werden.
Da eine evtl. notwendige Verlagerung des Oberkiefers einen ausgeprägten Einfluss auf die Nasenform hat, sollte die Nasenkorrektur erst nach der chirurgischen Fehlbissbehandlung erfolgen. Um dem Patienten einen Eingriff in Vollnarkose zu ersparen, kann die Nasenkorrektur z.B. gleichzeitig mit einer Materialentfernung nach Oberkieferverlagerung oder einer Lippenkorrektur erfolgen. Komplexe Fehlbildungen der Nase erfordern gelegentlich ein zweizeitiges Vorgehen.
Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Der stationäre Aufenthalt bei diesen kompexen Eingriffen dauert in der Regel ca. 5 – 6 Tage.

Fehlbisskorrektur

Bei Patienten mit LKG-Spalten treten häufig Wachstumsstörungen des Oberkiefers auf. Dieser ist oft zu schmal und liegt zu weit hinter dem Unterkiefer (sogenannte Bissanomalie Kl. III oder maxilläre Hyopoplasie). Bei ausgeprägten Fehlentwicklungen des Oberkiefers sollte die kieferorthopädische Behandlung schon im Vorschulalter beginnen. Trotz langjähriger kieferorthopädischer Behandlung ist in manchen Fällen eine chirurgische Behandlung des Fehlbisses nicht zu umgehen.
In Extremfällen kann eine Distraktion des Oberkiefers (langsame chirurgische Verlagerung des Oberkiefers über ein bis zwei Wochen) im Jugendalter sinnvoll sein.  In der Regel sollte jedoch der Abschluss des Wachstums abgewartet werden.

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