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Was tun bei plötzlichem Kreisklaufkollaps?

27.10.2015 15:15 Uhr

Plötzlich wird es schwarz vor den Augen, der Patient ist für kurze Zeit bewusstlos. Und danach geht es ihm so gut, als wäre nichts gewesen. Ein häufiges Erscheinungsbild derartiger Störungen ist die Synkope, auch Kreislaufkollaps genannt - eben genau dieser beschriebene vorübergehende Bewusstseinsverlust, charakterisiert durch rasches Einsetzen, kurze Dauer und spontane, vollständige Erholung. 

Ähnliche Erfahrungen haben viele schon gemacht. Aber steckt dahinter eine schwere Erkrankung? Tatsächlich können Synkopen entweder harmlos oder aber Ausdruck einer ernsten Erkrankung, wie zum Beispiel einer schwerwiegenden Herzrhythmusstörung sein. 

Die neue Synkopen-Kollaps-Unit (SKU) am Paracelsus- Krankenhaus Ruit widmet sich genau diesen Fragestellungen. Professor Dr. Christian Herdeg, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin, Herz- und Kreislauferkrankungen am Paracelsus-Krankenhaus Ruit, beschreibt das Ziel der Synkopen-Kollaps-Unit: „Ein Kollaps jagt den Patienten einen Riesenschreck ein. Wir können schnell für Klarheit sorgen, ob der Kollaps harmlos oder ein Signal für eine schwerwiegende Krankheit ist.“

Synkopen treten in der Allgemeinbevölkerung nicht selten auf, doch nur eine Minderheit dieser betroffenen Personen nimmt medizinische Hilfe in Anspruch. Jährlich erleiden immerhin sechs Prozent aller älteren Menschen eine Synkope. Es sind jedoch auch junge Menschen betroffen. In den meisten Fällen sind die Ursachen harmloser Natur. Bei einer Erkrankung des Herzens oder der Gefäße ist es jedoch die zweithäufigste Ursache und ein Hauptrisikofaktor für den plötzlichen Herztod bei Patienten mit Synkopen. Zudem haben wiederholt auftretende Kollapszustände auch ernste Auswirkungen auf die Lebensqualität. 

Durch ein festgelegtes Untersuchungsprogramm mit zeitnaher Diagnostik kann die SKU binnen kurzer Zeit Herzerkrankungen entweder ausschließen oder nachweisen. Bei einer „harmlosen“ Synkope verkürzt sich somit der Krankenhausaufenthalt. Patienten mit Erkrankungen des Herzens oder der Blutgefäße hingegen können rasch einer spezifischen Therapie zugeführt werden. 

Am Aufnahmetag beginnt die SKU sofort mit einer eingehenden Untersuchung, um die Ursache der Herzerkrankung abzuklären. Diese umfasst: 

    - Sorgfältige Anamnese (Krankheitsvorgeschichte)

    - Körperliche Untersuchung inklusive Blutdruckmessung

    - 12-Kanal-Elektrokardiogramm (EKG)

    - Sofortiges Monitoring bei Verdacht auf eine Synkope, die durch einen fehlerhaften Herzrhythmus bedingt ist. 

Je nach Befund werden umgehend oder am nachfolgenden Tag zunächst eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und ein Belastungs-EKG durchgeführt. Zudem wird ein Langzeit-EKG angelegt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer sogenannten Kipptischuntersuchung als Orthostasetest. Dabei wird die Reaktion des Blutdruckes beim Kippen von der waagerechten in die senkrechte Körperposition getestet. 

Je nach Untersuchungsergebnis können die Patienten am Linksherzkathetermessplatz vertieft untersucht und behandelt werden. 

Sollte die Ursache der Synkope dennoch ungeklärt bleiben, verfügt die Klinik für Innere Medizin, Herz- und Kreislauferkrankungen über unterschiedliche Systeme des EKG-Monitorings, um Patienten auch im häuslichen Umfeld beobachten zu können. 

Dies reicht von speziellen Langzeit-EKGs, die der Patient zu Hause über mehrere Tage trägt, bis hin zu sogenannten Rhythmuskarten, die der Patient auflegen kann, wenn er Herzrhythmusstörungen verspürt. 

In Einzelfällen ist es sogar möglich, einen kleinen EKG-Speicher unter die Haut zu implantieren, der dort für zwei Jahre verbleiben kann. Hierbei werden sämtliche implantierte Geräte kontinuierlich überwacht.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie hat schon vor Jahren die Einrichtung von Synkopen-Units gefordert. Denn bislang werden Patienten mit Ohnmacht oft nach „Schema F“ behandelt. Das bedeutet, dass bei den Patienten mit harmlosem Kollaps oft zuviel Diagnostik durchgeführt wird, während es umgekehrt bei Synkopen mit ernstem Hintergrund wiederum zu wenig ist.

Mit der neuen Synkopen-Kollaps-Unit ist entsprechend der Anforderungen der Europäischen Fachgesellschaft am Paracelsus-Krankenhaus eine spezialisierte Einrichtung mit eigener Organisation und klaren Diagnostik- und Behandlungsalgorithmen geschaffen worden. Sie ist im Umkreis damit die erste Einrichtung dieser Art.

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