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Psychiatriekonzept der Kreiskliniken Esslingen

01.10.2013 11:19 Uhr

Der Landkreis Esslingen will die Gesamtpsychiatrie künftig nicht – wie bisher vorgesehen - in den Krankenhäusern Plochingen und Kirchheim unterbringen, sondern ausschließlich am Klinikum Kirchheim. Dafür soll in Plochingen u. a. eine medizinische Nachsorge in Form der psychiatrischen Rehabilitation einziehen, für die bereits private Träger Interesse bekundet haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Projektgruppe aus Fachleuten der Kreiskliniken, des Klinikums Esslingen und Externen. 

Die Projektgruppe hatte den Auftrag, im Rahmen der Zusammenführung von Kreiskliniken und Klinikum Esslingen das künftige Psychiatriekonzept für ein mögliches gemeinsames Unternehmen zu erarbeiten. Landrat Heinz Eininger begründet die Neuigkeit: „Das Bessere ist der Feind des Guten. Das neue Psychiatriekonzept verbessert die medizinische Versorgung für unsere Patienten im Landkreis und ist deutlich wirtschaftlicher als die im Gutachten dargestellte Lösung.“ Nach Auffassung des Landrats nützt das Konzept auch der Stadt Plochingen. In den Räumlichkeiten der Klinik sei es möglich neben der psychiatrischen Rehaeinrichtung in privater Trägerschaft eine Gerontopsychiatrische Tagesklinik unter der Regie der Kreiskliniken unterzubringen. Darüber hinaus könnten Räumlichkeiten zur Vermietung an Facharztpraxen zur Verfügung gestellt werden.

Der Landrat unterstrich: “Das vorliegende Arbeitsergebnis wird dem Anspruch einer an eine Somatik angebundene psychiatrische Versorgung gerecht. Es verbessert im Vergleich zum Modell III des Gutachtens die Erlöse der Kreiskliniken um jährlich rund 2,3 Mio. €. Das kommt allen zugute - bei einem gemeinsamen Klinikunternehmen also auch der Stadt Esslingen“. Deshalb sieht der Landkreis die Umsetzung des Konzepts weitgehend losgelöst von den Gesprächen zur Unternehmenszusammenführung zwischen den Kreiskliniken mit dem Klinikum Esslingen.

Wie der Landrat mitteilte sei der Vorschlag der Klinikexperten bei den Fraktionen auf „positive Resonanz gestoßen. Die Lösung überzeugte uns sowohl aus medizinischen, als auch wirtschaftlichen Gründen.“ 

Thomas A. Kräh, der Geschäftsführer der Kreiskliniken Esslingen, beschreibt die Vorgehensweise: „Die Projektverantwortlichen von Ernst & Young und CMK haben gemeinsam mit klinikinternen und externen psychiatrischen Fachleuten die Ergebnisse des Gutachtens weiterentwickelt. Dabei wurde intensiv nach Lösungen gesucht, die den wirtschaftlichen Vorgaben Rechnung tragen und dabei die größtmögliche medizinische Behandlungsqualität erreichen. Ich bin froh, dass nun ein belastbares Ergebnis vorliegt, was die von vielen Seiten formulierte Forderung einer modernen Psychiatrie mit direkter Anbindung an eine somatische Klinikstruktur erfüllt und gleichzeitig ein noch wirtschaftlicheres Ergebnis als im Gutachten dargestellt, ermöglicht. Das nun vorliegende Ergebnis führt zu einer jährlichen Einsparung an Betriebskosten in Höhe von rund 2,3 Mio. €.“ 

Mit der Umwandlung der Klinik Plochingen in eine psychiatrische Rehaeinrichtung kann eine attraktive und langfristige Nutzung für diesen Klinikstandort sichergestellt werden. Dazu laufen bereits Verhandlungen mit privaten Interessenten. Kräh zur künftigen Nutzung des Krankenhauses Plochingen: „Die psychiatrische Rehabilitation fehlt bisher in der medizinischen Versorgung im Landkreis. Insbesondere vor dem Hintergrund der geplanten Einführung des pauschalierten Entgeltsystems für die Psychiatrie und Psychosomatik, der sogenannten PEPPs, gewinnt ein solches Angebot an Stellenwert, da dann auch in der Psychiatrie von kürzeren Verweildauern im stationären Bereich auszugehen ist und die Weiterführung der Behandlungskette dann durch andere Einrichtungen gewährleistet werden muss“. 

Zur Umsetzung des Konzepts ist nach Angaben des Klinikgeschäftsführers in einem ersten Schritt der im Zuge der Strukturdiskussion verhängten Baustopps am Klinikstandort Kirchheim aufgehoben worden. Damit werde die Voraussetzung geschaffen, dass im dritten Quartal 2014 die 66 psychiatrischen Betten aus Plochingen nach Kirchheim umziehen können. Außerdem werden im Zuge dieser Maßnahme weitere Verlagerungen von stationären Kapazitäten der Wirbelsäulen- und der Allgemeinchirurgie von Kirchheim nach Nürtingen notwendig. Im Gegenzug werden HNO und ambulantes Operieren von Nürtingen nach Kirchheim verlagert. 

Die zentrale Notaufnahme, die Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie, die Innere Medizin mit den Schwerpunkten Rheumatologie und Schlaganfallversorgung bleiben in vollem Umfang in der Klinik Kirchheim erhalten. In Nürtingen lassen sich nach Angaben des Geschäftsführers alle Disziplinen fachgerecht unterbringen. „Nürtingen wird mit dieser Verlagerung zum operativen Schwerpunkt des Klinikums Kirchheim-Nürtingen. In Kirchheim wird konsequent das konservative Profil erweitert. “

Mit einer Investition in Höhe von 16,5 Mio. € stehen in der Klinik Kirchheim dann ab 2016 alle Betten für eine Gesamtpsychiatrie zur Verfügung. Die auf der Basis von Modell III von den Gutachtern veranschlagten Investitionskosten belaufen sich in Plochingen auf 12,9 Mio. €. Der Geschäftsführer: „Die Experten weisen nach, dass der Mehraufwand im Invest durch die erheblichen Kostenvorteile im Betrieb (2,3 Mio. €) schon nach kurzer Zeit refinanziert ist“.

Der neue Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Kreiskliniken, Privatdozent Dr. Christian Jacob, war ebenfalls in die Projektarbeit der letzten Monate eingebunden. Er begrüßt diese Weiterentwicklung: „Psychiatrische Patienten haben häufig auch somatische Probleme, da bedeutet eine räumliche Angliederung an eine somatische Klinik ein großes Plus an Versorgungsqualität für die Patienten. Eine Stigmatisierung wird es nicht geben: In Kirchheim gibt es nur einen Eingang – egal ob der Patient körperlich oder psychisch krank ist.“

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